Ein Tag am Martin 7 im Zillertal

Am vergangenen Sonntag hatten wir die Möglichkeit, einen ganzen Tag die Crew des „Martin 7“ im Zillertal zu begleiten. Was wir an diesem Tag erlebt haben – von wetterbedingten Herausforderungen bis hin zu anspruchsvollen hochalpinen Einsätzen – lest ihr hier.

Dienstbeginn – Morgencheck und Frühstückspause

Noch bevor der erste Alarm eingeht, beginnt der Dienst mit der täglichen Routine. Pilot Thomas, von allen nur Tom genannt, führte den ausführlichen Morgencheck der Maschine durch. Dabei wurde unter anderem der allgemeine Zustand des Hubschraubers, mögliche Beschädigungen, Flüssigkeitsstände sowie sicherheitsrelevante Bauteile kontrolliert.

Parallel dazu überprüften Flugretter Manuel und Notarzt Andi das medizinische Equipment. Notfallrucksäcke, Beatmungs- und Monitoring Geräte sowie Medikamente wurden kontrolliert, auf ihre Einsatzbereitschaft geprüft und fehlende Materialien ergänzt.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Checks war die Berge- und Seiltechnik. Gerade im alpinen Einsatzgebiet der Tiroler Alpen ist diese Ausrüstung unverzichtbar. Variable Bergetau-Systeme, fixe Seillängen, Gurte und Sicherungseinrichtungen wurden sorgfältig kontrolliert, bevor alles einsatzbereit im Heck des Hubschraubers verstaut wurde.

Im Anschluss an die zahlreichen Checks erhielten wir eine umfassende Sicherheitsunterweisung. Dabei wurden das Verhalten im und um den Hubschrauber, die Sicherheitszonen sowie das richtige Vorgehen bei Start, Landung und im Einsatzfall erklärt.

Weiter ging es mit dem morgendlichen Briefing der Crew, wo vor allem das Wetter zum Thema wurde. Dies zog sich durch den gesamten Tagesverlauf. Immer wieder waren Wetterlage und einsatztaktische Möglichkeiten ein Thema innerhalb der Crew. Veränderungen der Sicht, Wolkenuntergrenzen und Windverhältnisse wurden laufend besprochen und in die Einsatzplanung miteinbezogen – ein entscheidender Faktor der sichere und erfolgreiche Flugrettungseinsätze im alpinen Gelände sorgt.

Nachdem alle Vorbereitungen abgeschlossen waren, meldete sich die Crew bei der Leitstelle Tirol einsatzbereit.

Hubschrauber, Ausrüstung und die Crew waren nun jederzeit einsatzbereit für den ersten Flug des Tages.
Doch erst konnte die Mannschaft noch in Ruhe das Frühstück genießen. In der Luftrettung ist dies mit einer der wichtigsten Punkte des Tages. Immerhin weiß man nie, wann man wieder zum Essen kommen wird.

Erster Einsatz – und vorerst Abbruch im Nebel

Bereits beim Anflug zum ersten Einsatz zeigte sich, dass das Wetter an diesem Tag eine entscheidende Rolle spielen würde. Eine geschlossene Nebeldecke verhinderte eine sichere Fortsetzung des Fluges. Nach sorgfältiger Abwägung musste der Einsatz aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden – eine Entscheidung, die in der Flugrettung nie leichtfällt. Aber Sicherheit von Crew und Patienten haben oberste Priorität!

Zweiter Einsatz: Alpinunfall im Hornkees – Taubergung

Wenig später folgte der nächste Alarm: Ein Alpinunfall im Hornkees wurde gemeldet. Auch bei diesem Einsatz war der Nebel weiterhin ein großes Thema. In diesem Fall war es dem Piloten jedoch möglich, über die Wolken- und Nebelgrenze hinwegzufliegen und den Einsatzort sicher zu erreichen.

Die Einsatzstelle konnte bereits nach kurzer Suche, in einer hochalpinen, steilen und eisigen Umgebung lokalisiert werden. Eine sichere Landung war direkt am Einsatzort nicht möglich, woraufhin die Crew beschloss, einen Zwischenlandeplatz nahe der Berliner Hütte auf rund 2.042 Metern anzufliegen. Dort wurde die Maschine teilweise ausgeräumt, um für die anschließende Rettung des Patienten die maximale Leistung zur Verfügung zu haben – ein entscheidender sicherheitstechnischer Aspekt, da sich der eigentliche Einsatzort auf rund 2.500 Metern Seehöhe befand.

Im Anschluss wurde der Notarzt zum Patienten geflogen wo dieser an einer sicheren Stelle vorsichtig aus dem schwebenden Hubschrauber ausstieg. Umgeben von steilen Felswänden und eisigen Flächen übernahm er direkt die notfallmedizinische Versorgung, während die Crew am Zwischenlandeplatz die Taubergung vorbereitete. Jeder Handgriff muss hier sitzen, denn hier zählte Präzision und Sicherheit gleichermaßen.

Nach der notfallmedizinischen Erstversorgung meldete sich Notarzt Andi, dass er bereit für die Rettung des Patienten sei.
Vom Zwischenlandeplatz aus machte sich die Crew auf den Weg zur Einsatzstelle: Flugretter Manuel hing am 30-Meter-Tau, während Pilot Tom ihn präzise zum Einsatzort manövrierte. Jeder Handgriff und jede Bewegung waren perfekt aufeinander abgestimmt – ein Moment, in dem Professionalität, Erfahrung und Vertrauen aufeinander von entscheidender Bedeutung waren.

Nach der erfolgreichen Bergung wurden Notarzt, Flugretter und der verletzte Alpinist am Tau zum Zwischenlandeplatz geflogen, wo der Patient anschließend sicher in den Hubschrauber verbracht und für den Weitertransport ins Krankenhaus vorbereitet wurde.

Da sich der Begleiter des verletzten Alpinisten weiterhin im gefährlichen Gelände befand und ein eigenständiger Abstieg zu riskant gewesen wäre, wurde zusätzlich der Polizeihubschrauber „Libelle Innsbruck“ nachgefordert. Dieser übernahm die sichere Bergung des zweiten, unverletzten Alpinisten und flog diesen ins Tal.

Dritter Einsatz: Sturz auf der Skipiste – Teamarbeit im steilen Gelände

Nach einer kurzen Pause am Stützpunkt, die vor allem zum Tanken des Hubschraubers und dem Auffüllen des medizinischen Equipments diente, folgte rasch der nächste Alarm. Sturz auf einer Skipiste, gemeldet wurde eine bewusstlose Person.
Die Pistenrettung war bereits vor Ort, leistete erste Hilfe und forderte Martin 7 als Notarztmittel nach. Gleichzeitig sicherten sie die Piste, um eine sichere Landung des Hubschraubers zu ermöglichen.

Die medizinische Versorgung des Patienten erfolgte direkt im Steilgelände auf der Skipiste. Glücklicherweise präsentierte sich der Patient nicht so schwer verletzt wie zuerst angenommen. Dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit der Pistenrettung konnte der Verletzte nach der Behandlung schonend zum Hubschrauber transportiert werden. Der verletzte Skifahrer wurde zur weiteren Behandlung ins nahegelegene Krankenhaus Schwaz geflogen.

Vierter Einsatz – Folgeeinsatz in der Wildschönau (Bezirk Kufstein)

Noch auf dem Rückflug vom Krankenhaus Schwaz erreichte die Crew bereits der vierte Alarm des Tages: Sturz eines 1-jährigen Kindes mit Atemnot in der Wildschönau, Bezirk Kufstein. Mitalarmiert wurden der bodengebundene Rettungsdienst, ab Kufstein, sowie der First Responder Wildschönau.

Da eine Landung direkt am Einsatzort nicht möglich war, übernahm der First Responder das Shuttle für die medizinische Crew des Notarzhubschraubers und brachte die Einsatzkräfte sicher zum Patienten.
In der Zwischenzeit wurden der Hubschrauber zu einer kleinen Attraktion: Mehrere Kinder mit ihren Eltern versammelten sich neugierig rund um den Hubschrauber. Sie nutzten die Gelegenheit, die Maschine aus nächster Nähe zu betrachten, die Ausrüstung zu inspizieren und die Crew bei ihrer Arbeit zu beobachten. Pilot Tom zeigte den Hubschrauber, erklärte die Funktionen und beantwortete geduldig die vielen Fragen der Kinder. Es war spannend zu sehen, wie interessiert die jungen Besucher waren, während die Crew gleichzeitig ihre Aufgaben im Blick behielt.

Nach der medizinischen Erstversorgung wurden das verletzte Kind gemeinsam mit seiner Mutter vorsichtig in den Hubschrauber gebracht. Während Notarzt Andi und Flugretter Manuel alles genau absicherten, konnten wir beobachten, wie behutsam jeder Handgriff gesetzt wurde, damit beide sicher transportiert werden konnten. Kurz darauf startete der Hubschrauber, und Mutter und Kind wurden wohlbehalten ins Krankenhaus Kufstein geflogen.

Dienstende – Hubschrauber und Stützpunkt für den nächsten Tag vorbereiten

Nach einem langen Tag voller Einsätze wurde der Hubschrauber in den Hangar geschoben. Die Crew begann damit, das Equipment aus der Maschine zu räumen. Jedes Teil wurde überprüft, gereinigt und desinfiziert, insbesondere die medizinischen Geräte, Notfallrucksäcke und Überwachungsmonitore, damit für den nächsten Tag alles sofort einsatzbereit ist.

Pilot Tom führte eine sorgfältige Abschlusskontrolle der Maschine durch. Rotorblätter, Triebwerke, Flüssigkeiten und alle sicherheitsrelevanten Bauteile wurden genau inspiziert.

Anschließend kümmerte sich die Crew um die Räumlichkeiten des Stützpunkts: Mannschaftsraum, Küche und Arbeitsflächen wurden aufgeräumt und gesäubert. Alles war geordnet und bereit, damit die Crew am nächsten Morgen ohne Verzögerung starten konnte.

Am Ende des Tages zeigte sich einmal mehr: Teamarbeit, Routine und Professionalität sind entscheidend, damit Hubschrauber, Ausrüstung und Crew jederzeit für den nächsten Einsatz perfekt vorbereitet sind

Ein fordernder Dienst im alpinen Gelände

Der Tag mit Martin 7 zeigte einmal mehr, wie vielseitig und anspruchsvoll die Arbeit der Flugrettung im alpinen Raum ist. Wetter, Gelände und Zeitdruck stellten die Crew immer wieder vor große Herausforderungen. Dank Routine, Professionalität und perfekter Zusammenarbeit mit allen Einsatzorganisationen konnten auch komplexe Situationen sicher gemeistert werden.

Wir bedanken uns herzlich bei der gesamten Crew von Martin 7 sowie beim Geschäftsführer Roy Knaus für die Möglichkeit, diesen spannenden und eindrucksvollen Dienst begleiten zu dürfen!

Glück ab – und gut Land! 

Bilder und Text: © HeliRescue e.V.