Schulungstag der Martin Flugrettung
Training für den Ernstfall
Gemeinsamer Start in den Ausbildungstag
Der Schulungstag begann in den frühen Morgenstunden am Truppenübungsplatz Hochfilzen des Österreichischen Bundesheeres. Nach der Begrüßung aller Teilnehmer wurden die geplanten Ausbildungsinhalte und Stationsübungen des Tages vorgestellt. Die Ausbilder erläuterten die Ziele der einzelnen Stationen und gaben einen Überblick über den Ablauf.
Wie bei jedem Einsatz und jeder Übung stand auch an diesem Tag die Sicherheit an erster Stelle. Deshalb wurden vor Beginn sämtliche organisatorischen Punkte, Sicherheitsbestimmungen und Verhaltensregeln besprochen. Anschließend erfolgte die Einteilung der Teilnehmer auf die verschiedenen Ausbildungsstationen.
Ziel des Schulungstages war es, einsatzrelevante Abläufe unter möglichst realistischen Bedingungen zu trainieren und die Zusammenarbeit innerhalb der Crew weiter zu stärken.
Erste Station: Corpuls CPR-Training im alpinen Gelände
Die erste Station widmete sich der Reanimation unter erschwerten Bedingungen. Mit Hilfe des Corpuls CPR-Systems wurde ein Notfallszenario im alpinen Gelände simuliert.
Im Mittelpunkt stand dabei die Versorgung eines Patienten während eines Tauflugeinsatzes. Die Teilnehmer mussten den Patienten unter laufender Reanimation umlagern, transportfähig machen und für den anschließenden Flug vorbereiten. Besonders herausfordernd war dabei die Kombination aus medizinischer Versorgung und den besonderen Anforderungen eines Luftrettungseinsatzes.
Trainiert wurden unter anderem die sichere Patientenlagerung, die Kommunikation innerhalb des Teams sowie die Koordination zwischen Flugretter, Notarzt und Pilot. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig eingespielte Abläufe und präzises Arbeiten in zeitkritischen Situationen sind.
Zweite Station: Materialschlacht – Viel Material am Einsatzort
An der zweiten Ausbildungsstation stand das Materialmanagement im Fokus. Unter dem Motto „Materialschlacht“ wurde ein umfangreiches Einsatzszenario aufgebaut, bei dem zahlreiche medizinische und technische Geräte gleichzeitig benötigt wurden.
Die Teilnehmer mussten entscheiden, welches Material für die Versorgung des Patienten erforderlich ist, wie die Ausrüstung sinnvoll am Einsatzort positioniert wird und wie auch unter beengten oder unübersichtlichen Bedingungen die Übersicht bewahrt werden kann.
Besonderes Augenmerk lag auf der strukturierten Arbeitsweise sowie auf der effizienten Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Gerade bei komplexen Notfällen im alpinen Gelände kann ein geordnetes Materialmanagement entscheidend für einen reibungslosen Einsatzablauf sein.
Die Übung verdeutlichte, wie schnell sich an einer Einsatzstelle große Mengen an Ausrüstung ansammeln können und wie wichtig es ist, jederzeit den Überblick zu behalten.
Dritte Station: Klettersteigübung – Präzision und Geschicklichkeit am Tau
Die dritte Ausbildungsstation führte die Teilnehmer in steiles und exponiertes Gelände. Flugretter und Notarzt wurden dabei hängend am Tau zu einem Klettersteig geflogen.
Dort galt es, eine Aufgabe zu bewältigen, die sowohl Geschicklichkeit als auch sicheres Arbeiten in absturzgefährdetem Gelände erforderte. An einer Reep Schnur waren fünf Karabiner beziehungsweise Schlösser befestigt, die einzeln geöffnet und anschließend in eine zweite Reep Schnur eingehängt werden mussten.
Was auf den ersten Blick einfach erscheint, stellte sich unter den realistischen Bedingungen als anspruchsvolle Übung heraus. Arbeiten in der Höhe, eingeschränkte Bewegungsfreiheit durch die persönliche Schutzausrüstung sowie die Konzentration auf jeden einzelnen Handgriff verlangten den Teilnehmern einiges ab.
Die Übung diente dazu, den sicheren Umgang mit Ausrüstung, die Koordination im Gelände sowie die Feinmotorik unter Einsatzbedingungen zu trainieren.
Vierte Station: Farbkreis – Kommunikation bei Funkausfall
Bei der vierten Station wurde ein kompletter Funkausfall zwischen dem Piloten und den am Tau hängenden Einsatzkräften simuliert.
Die Kommunikation zwischen Pilot und Flugretter erfolgte ausschließlich mittels vorher definierter Handzeichen.
Der Pilot musste durch Handzeichen des Flugretters zum vorgesehenen Einsatzort eingewiesen werden. Dabei waren klare Zeichen, gegenseitiges Verständnis und höchste Konzentration gefragt. Nachdem der Hubschrauber korrekt positioniert worden war, konnten Flugretter und Notarzt sicher am Einsatzort abgesetzt werden.
Die Übung verdeutlichte eindrucksvoll, wie wichtig standardisierte Verfahren und eingespielte Abläufe sind, um auch bei technischen Problemen einen sicheren Einsatzablauf gewährleisten zu können.
Fünfte Station: Kapper Bergung – Rettung mittels variablem Tau
Die fünfte und letzte Station des Ausbildungstages beschäftigte sich mit einer speziellen Rettungstechnik aus dem Bereich der Luftrettung: der Kapper Bergung.
Ausgangspunkt des Szenarios war ein Notarzt, der sich an einem schwer zugänglichen Einsatzort befand und von dort geborgen werden musste. Flugretter und Hubschraubercrew bereiteten die Rettungsmaßnahme vor, bevor der Flugretter mittels Tau zum simulierten Einsatzort geflogen wurde.
Vor Ort stellte der Flugretter die Verbindung zum Notarzt her und bereitete die gemeinsame Bergung vor. Anschließend erfolgte die Rettung mittels variablem Tau, einer Technik, die besonders bei schwierigem Gelände und eingeschränkten Landemöglichkeiten zum Einsatz kommt.
Die Teilnehmer trainierten dabei die einzelnen Abläufe von der Annäherung über die Sicherung der beteiligten Personen bis hin zum kontrollierten Ausflug aus dem Gelände. Präzision, Kommunikation und Vertrauen zwischen Pilot, Flugretter und Notarzt waren auch hier die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Durchführung.
Sechste Station: Tauflug mit Hundeführer und Suchhund
Die sechste Station widmete sich der Zusammenarbeit zwischen Flugrettung und Suchhundeteams. Im Mittelpunkt stand dabei der sichere Transport eines Hundeführers gemeinsam mit seinem Suchhund im Tauflug.
Nach einer ausführlichen Einweisung wurden Hundeführer und Hund für den Flug vorbereitet. Anschließend erfolgte der Anflug zum Übungsgebiet, wobei beide gemeinsam am Tau unter dem Hubschrauber hängend transportiert wurden.
Für Mensch und Tier stellt ein solcher Flug besondere Anforderungen dar. Neben der technischen Sicherung sind vor allem Vertrauen, Gewöhnung an die Flugbedingungen und eine ruhige Zusammenarbeit entscheidend. Der Hund muss trotz Rotorlärm, Wind und ungewohnter Umgebung konzentriert und einsatzbereit bleiben.
Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig das Zusammenspiel aller Beteiligten ist, um Such- und Rettungseinsätze auch in schwer zugänglichem Gelände effizient durchführen zu können.
Die Station bot den Teilnehmern einen interessanten Einblick in einen speziellen, aber regelmäßig benötigten Aufgabenbereich der alpinen Rettung und verdeutlichte einmal mehr die Vielseitigkeit der Flugrettung im Gebirge.
Teamarbeit als Schlüssel zum Erfolg
Während des gesamten Ausbildungstages zeigte sich einmal mehr, dass erfolgreiche Flugrettung nur als Teamleistung funktioniert. Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und klar definierte Abläufe sind die Grundlage dafür, auch in anspruchsvollen Situationen sicher und professionell handeln zu können.
Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und ihr Wissen in praxisnahen Szenarien zu vertiefen.
Ein erfolgreicher Ausbildungstag
Nach Abschluss aller Stationen kamen die Teilnehmer nochmals zusammen, um die einzelnen Übungen nachzusprechen und Erfahrungen auszutauschen. Dabei wurden positive Aspekte hervorgehoben, Verbesserungspotenziale analysiert und wichtige Erkenntnisse für zukünftige Einsätze festgehalten.
Der Schulungstag zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig die Anforderungen in der Flugrettung sind. Von medizinischen Maßnahmen über technische Rettungsverfahren bis hin zu Kommunikation und Teamarbeit wurden zahlreiche Fähigkeiten trainiert, die im Ernstfall Leben retten können.
Regelmäßige Ausbildungen wie diese tragen maßgeblich dazu bei, dass die Crews der Martin Flugrettung auch unter schwierigen Bedingungen jederzeit professionell, sicher und effizient handeln können.
Ein herzliches Dankeschön gilt Roy Knaus und dem gesamten Team der Martin Flugrettung für die Gastfreundschaft sowie die Möglichkeit, einen so abwechslungsreichen und lehrreichen Ausbildungstag hautnah mitzuerleben.
Glück ab – und gut Land!








