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Der Österreichische Automobil-, Motorrad- und Touring Club, kurz ÖAMTC, ist die größte private Flugrettungsorganisation in Österreich. Unter dem Namen „Christophorus Flugrettungsverein“, kurz CFV, betreibt der ÖAMTC derzeit 21 Notarzthubschrauberstützpunkte verteilt auf ganz Österreich. 17 Ganzjahresstandorte werden im Winter zusätzlich von 3 saisonalen sog. „Alpin“ Basen entlastet. Ein weiterer Hubschrauber ist nur in der Sommerzeit in Niederöblarn, Christophorus 99, stationiert. Darüber hinaus ist der CFV der einzige Betreiber österreichweit der einen Hubschrauber für Sekundärtransporte durchgehend, mit 45 Minuten Vorlaufzeit, in Bereitschaft hat.

Mit der Inbetriebnahme der ersten Helikopters Christophorus 1 im Juli 1983 am Flughafen Innsbruck wird der Grundstein für die Flugrettung in ganz Österreich gelegt. Dem Innsbrucker Gefäßchirurgen Dr. Gerhard Flora ist es zu verdanken das sich das kommerziell geführten Flugrettungswesen entwickelte. Noch im gleichen Jahr wird der zweite Standort des CFV in Krems mit Christophorus 2 eröffnet. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Inneres und dem österreichischen Bundesheer wird ab Mai 1985 eine flächendedeckende notärztliche Versorgung aus der Luft geschaffen. Bis zum Jahr 1987 werden 13 Flugrettungsstützpunkte in Österreich geschaffen wovon sieben vom BM.I, einer vom Österreichischen Bundesheer und fünf davon vom ÖAMTC betrieben werden.

1999 beschließt der ÖAMTC eine komplette Flottenerneuerung. Die bereits in die Jahre gekommen Aerospatiale AS350 und AS355 werden in den kommenden Jahren gegen die hochmoderne EC-135 aus dem Hause Eurocopter ausgetauscht.

Im Jänner 2001 wird der Christophorus Flugrettungsverein mit der Übernahme der Standorte der Flugpolizei und des Bundesheeres beauftragt und innerhalb nur weniger Monate übernimmt der ÖAMTC sieben Standorte der blauen “Martin”-Notarzthubschrauberstützpunkte. Aufgrund der steigenden Anzahl an Wintertouristen und in Folge steigender Einsatzzahlen in der Wintersaison, gründet der CFV ebenfalls 2001 gemeinsam mit dem Vorarlberger Hubschrauberunternehmen Wucher Helicopter das „Heli Ambulance Team“, kurz HAT oder AlpinFlugrettung“. Ziel des HAT ist es durch die Stationierung der „Alpin“ Hubschrauber in der Nähe großer Skigebiete die Ganztjahrestandorte zu entlasten und die Flugzeiten zwischen Unfallort und Klinik zu verkürzen. 2002 wird „Christophorus Europa 3“ als erster und bisher einziger grenzübergreifender Notarzthelikopter in Suben bei Schärding in den Dienst gestellt. Dieser wird in Zusammenarbeit mit dem deutschen Automobilclub ADAC betrieben. Das Einsatzgebiet ist die oberösterreichisch/bayrische Grenzregion.

2016 steht der nächste große Schritt, bezogen auf die Flotte, bevor. Die erste H135 (EC135 T3) wird angeschafft und im gleichen Zug wird beschlossen die Flotte auf die letzte Ausbaustufe zu aktualisieren. Auch der Begriff Helionix wird erstmals erwähnt und und in Betracht gezogen.

Nach 15 Jahren Betrieb der Alpin Stützpunkte beenden in der Wintersaison 2016 der ÖAMTC und Wucher ihre Kooperation und gehen getrennte Wege. Der Standort von „Alpin 3“ wird von Wucher Helicopter übernommen und als „Gallus 3“ weitergeführt. Die restlichen Alpin Stützpunkte in Patergassen, Sölden und Hintertux werden in den CFV eingeliedert und das „Heli-Ambulance-Team“ , kurz HAT, dem Begriff ÖAMTC Flugrettung untergliedert.

Nach einer gelungenen kurzen Testphase wird „Christophorus 2“ 2017 der erste 24h Notarzthubschrauber Österreichs. Durch den Umbau und die Zulassung der H135 auf Nachtflugtauglichkeit, dem Training der Piloten und dem Anschaffen der erforderlichen Ausrüstung, ist es der Crew in Gneixendorf nun gestattet in den Nachtstunden, bei angemessen Wetterverhältnissen,  zu Rettungseinsätzen zu starten. Ebenfalls eine Österreichpremiere ist das erste NEF eines NAH-Stützpunktes. Bei schlechtem Wetter und/oder Lichtverhältnisse bei denen der Hubschrauber nicht starten kann, steht dem Team von Christophorus 2 ein Notarzteinsatzfahrzeug zur Verfügung um zu Einsätzen auszurücken.

Der Christophorus Flugrettungsverein verfügt über einen Maschinenpool von ca 30 Hubschraubern des Typs H135 (früher Eurocopter EC-135, Varianten T1, T2, T2+ und T3). Diese werden je nach Bedarf an den Stützpunkten eingesetzt. Aus diesem Grund gibt es keine direkte Zuweisung eines Hubschraubers zu einem Standort (bezogen auf die Kennung). Registriert, gewartet und verwaltet werden all diese Maschinen von der Helikopter Air Transport Gesellschaft m.b.H. kurz HeliAir. Bei anfallenden Wartungsintervallen oder Wartungsarbeiten werden entweder die Servicemitarbeiter zu dem betroffenen Stützpunkt entsendet oder die Hubschrauber getauscht und in einem der zwei Flugrettungszentren des ÖAMTC in Innsbruck oder Wr. Neustadt gewartet. Im Regelfall kommt es zu keinen Engpässen bei der Maschinenanzahl. Es gab jedoch bereits in Vergangenheit den Zustand das kein Fluggerät zur Verfügung stand. In diesem speziellen Fall kann der CFV zusätzlich auf die Flotte der Fa. Schider Helicopter Service zugreifen.

Die Heli-Air betreibt neben der Instandhaltung der eigenen Hubschrauber zusätzlich einen von europaweit wenigen zertifizierten Wartungsbetrieben für Luftfahrzeuge und Triebwerke für Fremdfirmen. Fluggeräte bekannter Hersteller wie Airbus Helicopters oder Leonardo Helicopters und Triebwerksherstellern wie Safran ( vormals Turbomeca ) oder Pratt & Whitney können in den zwei Wartungszentren in Innsbruck und Wr. Neustadt zertifiziert überprüft und repariert werden. Seit der Einführung des Nachtfluges von zivilen Hubschraubern in Österreich werden außerdem alle hochkomplexen Nachtsichtgeräte von HeliAir-Technikspezialisten eingestellt und überprüft.

Ein weiterer wichtiger Bereich der HeliAir ist die Eigenentwicklung. Das bekannte Doppellasthakensystem, welches man auf den meisten Notarzthubschraubern in Österreich und dem Rest der Welt findet, wurde von der HeliAir entwickelt, getestet und gemeinsam mit Airbus Helicopters zertifiziert. 2017 präsentierte die HeliAir eine Weltneuheit mit der ersten selbsttragenden Innenraumverkleidung der Luftfahrt genannt „Kokon“.

Außerdem übernimmt im Oktober 2016 die HeliAir einen Teil der tschechischen Flugrettung. Die Stationen in Jihlava (Iglau, Krystof 12, bisher Alfa) und Ostrava (Ostrau, Krystof 05, bisher DSA) werden ab jetzt von der Heli Air betrieben.

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Der ÖAMTC zählt zu den Gründern der Kommission für alpine Rettung (ICAR:International Commission for Alpine Rescue). Einen Hauptbestandteil im Aufbau der ICAR ist dem Innsbrucker Gefäßchirurgen Dr. Gerhard Flora zu zuschreiben. Er war bis zu seinem Ruhestand 1996 der leitende Flugrettungsarzt des ÖAMTC.